Geschichten von der Kräuterfarm

Unsere Geschichte beginnt mit Helga Bauer – und mit einer Liebe zur Natur, die tiefer kaum sein könnte. 

Schon als Kind war sie mit ihrer Mutter im Wald unterwegs, um Wildkräuter und die „Schätze der Natur“ zu sammeln. 

Wipferl und Spitzwegerich wurden zu Säften verarbeitet, die in den Wintermonaten bei Verkühlung gute Dienste leisteten – ganz im Sinne traditioneller Hausmittel und alpenländischer Kräuterkunde.

Die Pionierin

Spielzeug gab es in den Kriegsjahren kaum. Helga saß stattdessen in der Wiese, streichelte Blumen mit großer Achtsamkeit und kam Tag für Tag wieder, um ihr Wachstum zu beobachten. Diese Nähe zur Natur – zu Heilpflanzen, Wiesen und Wald – wurde zu ihrer Lebenssprache.

1964 heiratete Helga ihren Josef Bauer und zog zu ihm nach Seyfrieds im Waldviertel (Niederösterreich). Gemeinsam bewirtschafteten sie eine kleine, vielfältige Landwirtschaft mit Hühnern, Enten, Gänsen und Truthähnen zur Selbstversorgung, sowie Milchkühen und Rindern. Wie viele Bauernfamilien waren auch die Bauers stets auf der Suche nach einem Weg, den Hof wirtschaftlich stabil in die Zukunft zu führen.

In den folgenden Jahren wurden ihre drei Kinder geboren: Herbert, Brigitte und Martin.

Die Lektion, die uns stärker machte

Der große Wendepunkt kam 1979, als der Gemeindeteich Propsteiteich (Geißbachteich) abgelassen wurde. Auf der trockenen Fläche blühte plötzlich ein zarter, rosa Teppich – eine riesige Menge Kleinblütiges Weidenröschen. Helga erkannte sofort, was da wuchs: ein besonderes Kraut, das viele gar nicht einordnen konnten – und das heute bei Kräuterfreunden vor allem als Weidenröschen Tee bekannt ist.

Helga begann zu ernten. Mit einem Messer und einer per Kurbel betriebenen Brotschneidemaschine schnitt sie die Pflanzen und trocknete sie sorgfältig am Dachboden – zunächst ohne zu wissen, wohin diese reiche Ernte führen würde. Die Arbeit war mühsam: unzählige Male rannte Helga die Stufen hinauf und hinunter, Bündel um Bündel. So lernte Helga schnell, wie viel beim Trocknen „schwindet” – in etwa ein Viertel –  und wie viel kostbarer Kräuterwert bleibt.

Ein vielversprechender Abnehmer zeigte zunächst Interesse an einer größeren Menge des Weidenröschens. Für die Familie war das ein wichtiger Hoffnungsschimmer – endlich schien sich die viele Arbeit auszuzahlen. Also legten alle mit voller Kraft los: Es wurde geerntet, geschnitten, getrocknet, sortiert. Tag für Tag füllten sich die Dachbodenregale, und die Vorfreude auf die erste richtige Vermarktung wuchs. 

Doch dann kam die Ernüchterung. Die zugesagte Abnahme wurde nicht eingehalten, die sorgfältig vorbereitete Ware blieb liegen. Später stellte sich heraus, dass andere den Fundort heimlich selbst geerntet hatten – still, nachts und ohne Rücksprache. Die Familie blieb auf ihrer Arbeit sitzen.

Das war ein bitterer Rückschlag für den Hof. Aber es war auch der Moment, in dem Helga beschloss: Wenn unsere Kräuter ihren Weg finden sollen, dann nehmen wir den Vertrieb selbst in die Hand!

Die Apotheken

Helga begann, selbst aktiv zu werden: Sie telefonierte Drogerien und Apotheken ab – hartnäckig, freundlich, überzeugt von ihrer Qualität. Schließlich fand sie einen Abnehmer in Oberösterreich: eine Drogerie in Sierning, die 500 Schilling pro Kilogramm bezahlte. Diese Partnerschaft blieb bemerkenswert lange bestehen – bis 2022.

Seit 1979 vertreibt die Familie Bauer das Kleinblütige Weidenröschen eigenständig an Drogerien und Apotheken – als echtes Waldviertler Kräuterkönnen, das seinen Markt gefunden hat.

Mit der Zeit wuchs das Sortiment. Helga ergänzte das Sortiment mit dem Großblütigen Weidenröschen, zunächst im Wald gesammelt. Weil der Geißbachteich bald wieder geflutet wurde, begann sie außerdem mit dem eigenen Anbau des kleinblütigen Weidenröschens – zuerst per Handsaat, später als Setzlinge. Die Arbeit war hart, in den ersten Jahren waren die Hände oft blutig. Aber Helga ließ sich nicht entmutigen – typisch Waldviertel: ruhig, zäh, konsequent.

Das machte sich bezahlt, und führte in den darauffolgenden Jahren zur einer Zusammenarbeit, auf die Familie Bauer bis heute besonders stolz ist: die Verbindung zur Familie KOTTAS in Wien. Für viele Kräuterliebhaber ist KOTTAS eine Institution – ein Name, der für Heilkräuter, Arzneitee und kompromisslose Qualität steht. Dass unsere Kräuter ihren Weg auch in diese Welt gefunden haben, war für uns immer mehr als ein Auftrag: Es war Anerkennung.

Während manche Betriebe damals Kräuter begasten, um Ungeziefer zu vernichten, gingen wir bewusst einen anderen Weg: Einfrieren statt Begasen. Diese schonende Methode schützt die Kräuter, bewahrt Aroma und Inhaltsstoffe – und passt zu unserem Anspruch: Bio Kräuter aus Österreich, naturbelassen verarbeitet, mit Respekt vor der Pflanze.

Das Tor zur Sonne

Ein bedeutender Wendepunkt für unseren Hof kam im Jahr 1987. Damals stand plötzlich Johannes Gutmann, der Gründer von SONNENTOR, mit seiner unverkennbaren Lederhose vor unserer Tür – voller Ideen, Mut und der Vision, regionale Bio-Kräuter groß zu machen.

Seine Begeisterung war ansteckend, und schnell wurde klar: Hier
beginnt etwas, das größer ist als eine einfache Zusammenarbeit.
1988 startete die intensive Partnerschaft, die bis heute besteht. Wir gehören zu den drei Ursprungsbauern, die SONNENTOR von Anfang an mit aufgebaut haben. Schritt für Schritt passten wir unseren Anbau den Bedürfnissen des jungen Unternehmens an, erweiterten unsere Kräutervielfalt und entwickelten neue Wege, um Qualität, Nachhaltigkeit und Handarbeit miteinander zu verbinden.

Was damals mit einem Besuch und einer Idee begann, wurde zu einer Partnerschaft, die unseren Hof geprägt hat
– und bis heute ein wichtiger Teil unserer Geschichte ist. Gemeinsam mit SONNENTOR durften wir miterleben,
wie aus einer Vision eine internationale Marke wurde, die dennoch tief in der Region verwurzelt geblieben ist.

Generationenwechsel

Mit dem Einstieg von Herbert und Brigitte in den 1980er Jahren begann eine neue Ära auf unserem Hof. Schritt für Schritt übernahmen sie Verantwortung, führten den Kräuteranbau weiter und entwickelten ihn mit viel Fleiß, Mut und Weitblick zu dem, was er heute ist.

Sie stellten den Betrieb auf biologische Bewirtschaftung um, erweiterten die Kräutervielfalt und bauten jene Strukturen auf, die den Hof bis heute prägen. Aus ersten kleinen Versuchen wurde ein professioneller Kräuterbetrieb – getragen von der Überzeugung, dass Qualität nur dort entsteht, wo man der Natur Zeit, Raum und Respekt schenkt.

Mit ihrem Engagement legten Herbert und Brigitte das Fundament für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit SONNENTOR und für die Entwicklung der Kräuterfarm, wie sie heute besteht. Ihre Arbeit bildet das Herzstück der zweiten Generation – und den Wegbereiter für alles, was danach kommen durfte.

Bio Kräuter aus Österreich:
Mit Handarbeit und Herz

Was als Kindheit zwischen Wald und Wiese begann, wurde zu einer Lebensaufgabe: Heilkräuter anbauen, ernten und bewahren – mit Wissen, Handarbeit und Herz.

Heute steht die Kräuterfarm Bauer in Seyfrieds (Niederösterreich) für hochwertige Bio Kräuter, Weidenröschen Tee, Kräuteranbau mit Tradition – und für echte, ehrliche Partnerschaften: von regionalen Apotheken bis hin zu KOTTAS in Wien und SONNENTOR.

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